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Gebrauchte Software-Keys kaufen: Was du über die Rechtslage wissen musst

Gebrauchte Software-Keys für 5 Euro – legal oder Falle? Die BGH-Urteile sind eindeutig, aber der Unterschied zwischen Schnäppchen und Reinfall liegt im Detail.

Software Flohmarkt

Ein Windows-Key für 15 Euro. Office für unter 30. Klingt zu gut, um legal zu sein? Die Sache ist: Es kann völlig legal sein. Aber es kann auch ein teures Fiasko werden. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern in der sogenannten Rechtekette.

Der Europäische Gerichtshof und der Bundesgerichtshof haben in mehreren Urteilen klargestellt: Der Weiterverkauf von gebrauchter Software ist erlaubt. Punkt. Aber diese Erlaubnis ist an Bedingungen geknüpft, die viele Händler schlicht ignorieren. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Was der EuGH 2012 tatsächlich entschieden hat

Ich lese immer wieder, dass „gebrauchte Software jetzt legal ist". Das stimmt so nicht ganz. Der EuGH hat im Fall Oracle gegen UsedSoft (C-128/11) entschieden, dass der Erschöpfungsgrundsatz auch für Downloads gilt. Das bedeutet: Wenn Microsoft eine Lizenz einmal in der EU verkauft hat, darf diese Lizenz weiterverkauft werden.

Aber hier kommt der Teil, den viele überlesen: Der Weiterverkäufer muss seine eigene Kopie unbrauchbar machen. Er muss nachweisen können, woher die Lizenz stammt. Und er muss belegen, dass sie ursprünglich mit Zustimmung des Rechteinhabers in der EU verkauft wurde.

Ein Key aus China oder Russland? Nicht erschöpft. Ein Key aus einem Volumenlizenzvertrag einer Firma, die pleite gegangen ist? Rechtlich kompliziert. Ein Key, der auf eBay ohne Dokumentation vertickt wird? Roulette.

Warum Microsoft-Klauseln dich nicht einschränken

Kennst du diese Texte in den Lizenzbedingungen? „Diese Software darf nicht weiterverkauft werden" oder „Nur gültig für den Erstnutzer"? In Deutschland sind solche Klauseln weitgehend wirkungslos.

Der BGH hat das bereits im Jahr 2000 (I ZR 244/97) klargestellt. Microsoft hatte versucht, den isolierten Verkauf von OEM-Software zu unterbinden. Das Gericht sagte sinngemäß: Das Verbreitungsrecht ist erschöpft. Was Microsoft mit dem OEM-Partner vertraglich vereinbart hat, betrifft den Endkunden nicht.

Das ist wie beim Autokauf. Der Hersteller kann nicht verbieten, dass du deinen Gebrauchtwagen verkaufst, nur weil in irgendeinem Händlervertrag steht, dass das nicht gewünscht ist. Das ist zwischen Hersteller und Händler relevant, nicht zwischen dir und dem nächsten Käufer.

Der unsichtbare Unterschied: Retail, OEM, Volumen

Technisch funktioniert ein Key erstmal unabhängig davon, woher er stammt. Du gibst ihn ein, Windows oder Office aktiviert sich, fertig. Aber hinter den Kulissen gibt es drei völlig unterschiedliche Lizenztypen.

Retail-Keys kaufst du als Privatperson im Laden oder online. Du kannst sie auf einen neuen PC übertragen. Sie sind flexibel.

OEM-Keys sind an Hardware gebunden. Dell, HP oder Lenovo installieren sie ab Werk. Seit Windows 8 steckt dieser Key sogar direkt in der Firmware des Mainboards. Der rechtliche Status beim Weiterverkauf ist in Deutschland geklärt: Auch OEM darf entbündelt werden.

Volumen-Keys (MAK oder KMS) sind für Unternehmen gedacht. Ein Key für 100 oder 1000 Installationen. Und genau hier liegt das Problem bei den meisten Billig-Angeboten.

Die Wahrheit über 5-Euro-Keys

Ich sage das ungern so direkt, aber: Ein Windows-Key für 5 Euro ist mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Volumen-Key, der illegal weiterverkauft wird.

Die Masche funktioniert so: Ein Händler kauft sich Zugang zu einem MAK-Key (Multiple Activation Key), der ursprünglich für ein Unternehmen ausgestellt wurde. Dieser Key hat ein Aktivierungslimit, sagen wir 500 Aktivierungen. Der Händler verkauft denselben Key an 2000 Leute. Die ersten 500 Käufer haben Glück, der Key funktioniert. Dann ist das Limit erreicht, Microsoft sperrt den Key, und alle weiteren Käufer schauen in die Röhre.

Ich habe selbst schon Fehlermeldungen wie 0xC004C008 („Aktivierungslimit erreicht") gesehen. Dann sitzt du da mit deinem günstigen Key und kannst nichts damit anfangen. Der Händler? Längst verschwunden oder antwortet nicht mehr.

Wie du einen seriösen Key erkennst

Die Rechtekette ist der Schlüssel. Wortwörtlich. Ein seriöser Händler kann dir dokumentieren, woher die Lizenz stammt. Er kann nachweisen, dass der Vorbesitzer die Software gelöscht hat. Er verkauft dir keine Volumenlizenz als Einzelperson, sondern echte Retail- oder entbündelte OEM-Lizenzen.

Meine Erfahrung zeigt: Der Preis allein sagt wenig aus. Ein Key für 30 Euro kann sauber sein, einer für 50 Euro kann Schrott sein. Entscheidend ist die Transparenz des Händlers.

Frag nach:

  • Woher stammt die Lizenz ursprünglich?
  • Liegt eine Vernichtungserklärung des Vorbesitzers vor?
  • Handelt es sich um eine Einzellizenz oder einen Volumen-Key?
  • Gibt es Nachweise über den Erstverkauf in der EU?

Wenn du auf diese Fragen nur ausweichende Antworten bekommst, weißt du genug.

Was die Urteile wirklich für dich bedeuten

Viele Leute denken: Solange der Key funktioniert, bin ich auf der sicheren Seite. Das ist falsch. Eine erfolgreiche Aktivierung beweist genau gar nichts über die Rechtmäßigkeit deiner Lizenz.

Der BGH hat mehrfach betont (unter anderem in den UsedSoft-II- und III-Entscheidungen), dass die Beweislast beim Käufer liegt. Wenn du Software nutzt und keine lückenlose Rechtekette nachweisen kannst, begehst du streng genommen eine Urheberrechtsverletzung. Auch wenn dein Windows jeden Morgen brav „aktiviert" anzeigt.

Für Privatpersonen ist das Risiko überschaubar. Microsoft klopft nicht bei dir an der Tür. Aber für Unternehmen? Da sieht die Sache anders aus.

Der Audit-Albtraum für Unternehmen

Stell dir vor, du leitest die IT einer mittelständischen Firma. Ihr habt 50 Windows-Lizenzen bei einem günstigen Online-Händler gekauft. Spart 3000 Euro. Läuft alles.

Dann kommt das Microsoft-Audit. Der Prüfer findet heraus, dass eure Keys zu einem MAK gehören, der ursprünglich einer Universität in Polen zugeordnet war. Keine Dokumentation, keine Rechtekette, keine Vernichtungserklärung.

Konsequenz: 50 PCs gelten als unlizenziert. Nachlizenzierung zum Vollpreis. Plus 25 Prozent Strafaufschlag. Plus Kosten für die Audit-Begleitung. Aus 3000 Euro Ersparnis werden schnell 15.000 Euro Mehrkosten.

Das hat mich überrascht, als ich das erste Mal von solchen Fällen gehört habe. Aber es passiert regelmäßig.

So prüfst du selbst, was du hast

Windows hat ein eingebautes Tool namens slmgr.vbs. Öffne die Eingabeaufforderung als Administrator und tippe:

slmgr /dli

Das zeigt dir den Lizenzkanal. Was du sehen willst: „RETAIL channel" oder „OEM_DM channel". Was du nicht sehen willst: „VOLUME_KMSCLIENT" oder „VOLUME_MAK".

Wenn bei dir „VOLUME" steht und du kein Unternehmen mit Volumenlizenzvertrag bist, hast du ein Problem. Nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann.

Der Graumarkt ist grauer als du denkst

Ich bin kein Moralapostel. Ich verstehe, dass niemand 150 Euro für Windows zahlen will, wenn es Alternativen gibt. Aber der Unterschied zwischen „günstig" und „dubios" ist real.

Ein seriöser Händler für gebrauchte Software verdient sein Geld mit Volumen und Service, nicht mit dubiosen Massenkeys. Er kann dir erklären, woher seine Lizenzen kommen. Er gibt dir Sicherheit, dass du im Zweifel nicht mit leeren Händen dastehst.

Ein 5-Euro-Key von einem anonymen Verkäufer gibt dir nichts außer einem temporären Aktivierungsbildschirm und einem Risiko, das du nicht siehst.

Worauf es am Ende ankommt

Die Rechtslage ist eindeutig: Gebrauchte Software darf in Deutschland verkauft werden. Der EuGH und der BGH haben das mehrfach bestätigt. Aber nicht jeder Key, der „gebraucht" genannt wird, ist auch legal.

Der Unterschied liegt in der Dokumentation, der Herkunft und der Transparenz. Ein Händler, der diese Fragen nicht beantworten kann oder will, verkauft dir keine Sicherheit. Er verkauft dir ein Glücksspiel.

Und ehrlich gesagt: Beim Thema Software-Lizenzen ist Glücksspiel eine schlechte Idee. Nicht weil Microsoft dich verklagt. Sondern weil du irgendwann mit einer nicht funktionierenden Aktivierung dastehst und keiner mehr zuständig sein will.

Die paar Euro Unterschied zwischen einem seriösen Anbieter und dem billigsten Key auf dem Markt? Das ist deine Versicherung. Nicht gegen Microsoft. Sondern gegen Händler, die verschwinden, sobald dein Key den Geist aufgibt.

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